Jein! Denkobjekte und Fotoemulsion * Ein Ausstellungsprojekt

Art Education, Mediendesign, Photographie
  • Kunstworkshop: 15.03. – 24.05.2011, Institut für Kunst im Kontext – UdK
  • Ausstellung: 18.08. – 8.10.2011, Galerie ART CRU Berlin , Künstlergespräch: 13. 09. 2011 19 Uhr,  Kuratorführung mit Barbara Antal: 30. 10. 2011 17 Uhr
  • Bezugsgruppe: Psychosenerfahrene aus Pinel gGmbH und PrenzlKomm Atelier gemischt mit Künstlerstudenten von der IfKiK – Universität der Künste Berlin
  • Kooperation zwischen der Galerie ART CRU Berlin, Pinel gGmbH, Initiative für Psychischkranken und dem Institut für Kunst im Kontext – Universität der Künste Berlin
  • Die Gruppenausstellung besteht aus 15 Werken von 11 Künstlern: experimentelle Fotoarbeiten, die im installativen Kontext präsentiert werden.
  • Konzeption und Durchführung: Barbara Antal und Mónica Araus-Sieber

Das Projekt Bild als Denkfläche ist Reflexionsraum für das Thema . Es bietet die Möglichkeit, Entscheidungsprozesse in unserem alltäglichen und bewussten Handeln aufzubrechen, zu reflektieren und zu veranschaulichen.

Teilnehmer des Projekts sind KünstlerInnen mit psychischer Beeinträchtigung der Pinel gGmbH (Atelier AGP), des Atelier Prezlkomm und internationalen KünstlerInnen aus dem Instituts für Kunst im Kontext, Universität der Künste Berlin.

Unsere Herausforderung ist es miteinander zu kommunizieren und persönliche Erfahrungen bei Entscheidungsprozessen zu begreifen und zusammen nachzuempfinden. Wir denken, dass unsere Entscheidungen eine wichtige Rolle in der Mitgestaltung unserer Gesellschaft spielen.

Bei unserer Recherche gehen wir von den subjektiven, bildreichen Tatsachen aus: von Erinnerungen und Gefühlen aus verschiedenen Entscheidungssituationen der teilnehmenden Künstler. Diese Erzählungen bilden den Gegenstand unsere Beobachtungen und dienen als Ausgangspunkte für unsere künstlerische Arbeit.

Wir kämpfen für die Demokratie des Wissens. Wir möchten die Heterogenität bewahren und voneinander lernen – Erfahrungen und privates Wissen des Einzelnen nutzen, um uns alternativ weiterzubilden. Kunst bietet eine geeignete Möglichkeit, die Machtverhältnisse von Wissen zu brechen und versteckte Wissensformen anzuerkennen. Solche Prozesse sollen nicht an- onym bleiben, sondern in der Öffentlichkeit gezeigt werden, um die kritische Funktion der Kunst zur Geltung zu bringen.

Bei einer Entscheidungssituation treten immer Wechselprozesse auf. Wir hegen Vorkenntnisse, Konditionen, Bedingungen und Kriterien, die wir idealer Weise in Betracht ziehen können. Wir versuchen danach zu handeln. Die beschlossenen Entscheidungen werden vom Zufall beeinflusst und halten uns in permanenter Spannung.

Dies nehmen wir als unser Handlungsprinzip.

Die Gruppe arbeitete über einen Zeitraum von drei Monaten gemeinsam in einem Atelier, Fotolabor und Ausstellungsort. Im Kollektiv wurden Brain- stormingrunden zur Projektthematik durchgeführt, der Austausch von Erfahrungen vorangetrieben und die Ausarbeitung in künstlerischen Werken bis hin zur Ausstellungspräsentation ausgearbeitet.

Die Reflexionen jedes Teilnehmers wurden mit Hilfe einer experimentellen archaischen Fotografietechnik, dem Auftragen einer flüssigen Fotoemulsion auf verschiedene Flächen, sichtbar. Als Fotoemulsion wird eine dünne lichtempfindliche chemische Tinktur bezeichnet, mit der verschiedene Trägermaterialien – wie z.B. Papier, Folien oder Holz – beschichtet werden. Die Flächen können dann wie ein Fotopapier belichtet und verarbeitet werden. Die Eigenschaften dieses Verfahrens ermöglichen eine parallele Beobachtung von eigenen Entscheidungsprozessen. Dabei ist es notwendig, eine genau vorgeschriebene Schrittfolge zu beachten. Dennoch bietet diese Technik (Pinselführung, Belichtung, das Bild an sich) ein breites Spektrum der Spontanität. Die beschlossenen Entscheidungen werden vom Zufall ausbalanciert und halten den Künstler in permanenter Spannung. Nicht alles in diesem Prozess kann kontrolliert werden, wie z.B. die Verformung des Bildes auf der Oberfläche. Genau wie bei einer Entscheidung, liegt es nicht in in unseren Händen alles zu bestimmen. Deswegen wird die Wirkung „Zufall“ einkalkuliert – eine Art nicht beeinflußbare Flexibilität bleibt erhalten. Die Arbeit mit dieser Technik, ermöglicht uns, aus unserem beschleunigten Alltag, aus dem ständigen „Rennen“, auszusteigen und uns Zeit zu nehmen, um zu beobachten und nachzudenken – ein Blick in die Tiefe unserer Entscheidungsprozesse und deren Entstehungen.

Die Werke sind nach einem langen Prozess des gemeinsamen Denkens und der selbstständigen künstlerischen Arbeit entstanden. Sie verkörpern visuelle persönliche Entscheidungsmomente. Gedanken und Erfahrungen kristallisieren sich zu einem Werk. In der Ausstellung „Jein!“- Denkobjekte und Fotoemulsion stehen sie im Dialog zueinander und zum Betrachter.

Barbara Antal und Mónica Araus-Sieber

Video: http://exposureroom.com/62c1a4080565441d89e37a2b1167228b/      (Password: jein)

Katalog: ARTCRU_Jein_Katalog

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